kurzer Bericht über eine "verschollene" Fahne

Die 1885 gegründete Freiwillige Feuerwehr Schildthurn hat im Jahre 1935 anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens eine neue Fahne beschafft und geweiht. Diese wurde nach Ende des 2. Weltkrieges, wie von vielen anderen Wehren auch, von den Amerikanern mitgenommen. Im Jahr 1948 wurde deshalb wieder eine neue Fahne angeschafft und geweiht. Die alte Fahne aus dem Jahr 1935 geriet im Laufe der Jahre langsam aber sicher in Vergessenheit.

Im Jahr 2006 erhielt die FFW Schildthurn überraschend ein Angebot von einem amerikanischen Antiquitätenhändler, der die Originalfahne von 1935 zum Kauf anbot. Leider verliefen die Preisverhandlungen nicht zielführend. Auch das Einschalten des Auswärtigen Amtes in Berlin, um die Fahne als "Rückführung kriegsbedingt verbrachter Kulturgüter" zurückzuholen, brachte nicht den erhofften Erfolg.
Zudem riss der Kontakt nach einigen E-Mail-Verkehr mit dem Antiquitätenhändler ab. Einen Namen oder eine Adresse konnte damals nicht ermittelt werden und so geriet die Fahne bald wieder in Vergessenheit.

Während eines mehrjährigen beruflichen Aufenthalts der in Schildthurn ansässigen Familie Kugler in den USA, erfuhr diese von den Nachbarn Martin und Hans Gottanka die Geschichte der verschollenen Fahne und dem letztlich glücklosen Kontakt in 2006. Zusammen mit amerikanischen Freunden begannen Michael und Agnes Kugler zu recherchieren, was anfangs nicht von Erfolg gekrönt war.
Erst Mr. Carter LaBarge konnte im Frühjahr 2015 über verschiedene Quellen die Daten des Antiquitätenhändlers ausfindig machen und den Kontakt aufbauen.
Die nun folgenden Verhandlungen zogen sich über fünf Jahre, an deren Ende es gelang, die Fahne 75 Jahre nach dem Verschwinden, wieder zurück nach Schildthurn zu bringen.

Am 12. März 2020 konnte Michael Kugler diese Geschichte in der Jahreshauptversammlung der FFW Schildthurn den anwesenden Feuerwehr Kameraden, die von alledem nichts mitbekommen haben, erzählen.
Am Ende seiner Ausführungen konnte er den staunenden Mitgliedern tatsächlich die Originalfahne präsentierte. Diese ist nach so langer Abwesenheit in einem überraschend guten Zustand und soll nun restauriert und in einem festlichen Rahmen wieder geweiht werden. Und um den Kreis zu schließen wird der mit hauptbeteiligte Carter LaBarge mit seiner Frau Linda voraussichtlich im Herbst 2020 nach Schildthurn kommen um die Feuerwehr und die Heimat der Fahne zu besuchen.